Wenn Senioren wieder in die Schule gehen

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gerold-santis-043 (Bericht aus dem Wydeblatt von Beatrice Müller)

Gerold Bollinger aus Oberneunforn, Jahrgang 1942, verbrachte die meiste Zeit seines Lebens als Landwirt. Seinen Bauernbetrieb mit Schweinen, Munis und Hühnern hat er kürzlich seinem Sohn in Obhut gegeben und zieht sich nun bewusst aus der Landwirtschaft zurück. Seit zwei Jahren hat er eine neue Herausforderung gefunden: „Senior“ an der Sek. Ossingen.

 

 
In Zusammenarbeit mit Pro Senectute suchten die Weinländer Schulen damals Pensionierte, welche Ihre Fähigkeiten in den Dienst der Schule stellen möchten. Als Bollingers Tochter ihren Vater auf diese Aktion aufmerksam machen wollte, hatte sich dieser bereits angemeldet. Wer am Dienstag- oder Donnerstagvormittag in den Lerngruppen 3 oder 4 vorbeischaut, sieht, dass dieser Einsatz sehr gut zum „Senior“ Bollinger passt. Er erklärt schwächeren Schülern nochmals den Unterrichtsstoff, fragt Franzwörtchen ab, gibt Tipps, wie man sich ein Wort merken könnte (die Berner sagen dem Husten „Rüüme“, das tönt doch fast wie rhume, oder?).

Dabei kann Gerold Bollinger auch selber viel lernen und auffrischen. Er geniesst sowohl das Unterstützen der Lernenden als auch die Unterrichtseinheiten, die Sekundarlehrer Meier präsentiert. Dass es im Schulhaus  manchmal auch turbulent und laut zu und her geht, stört den vielfachen Vater und Grossvater nicht. Im Gegenteil, lacht er, seine Frau schwärme immer, wie aufgestellt er aus der Schule heimkomme.

Ja, die Kinder seien freundlich zu ihm und manchmal sagen sie auch danke für die Unterstützung. Wer so einen Einsatz mache, müsse keine spezielle Schulausbildung mitbringen, wohl aber die Fähigkeit, auf die Jugendlichen einzugehen. Auch Interesse am Schulbetrieb ist wichtig. Gerold Bollinger stellt fest, dass sich die Schule seit seiner Zeit enorm verändert hat. So müssen die Schüler heute nicht mehr so laut und deutlich sprechen lernen im Unterricht, und auf Rechtschreibung wird weniger Wert gelegt. Was er aber als grossen Fortschritt empfindet, ist die Tatsache, dass man heute angstfrei in die Schule gehen kann. In seiner eigenen Schulzeit hat man sich vor vielen Lehrkräften richtiggehend gefürchtet.

Alle paar Monate treffen sich die „Senioren“ des Bezirks Andelfingen zu einem Austausch. Auf diese Treffen freut sich Gerold Bollinger immer. Wenn Sie jetzt Lust kriegen, selber einmal einen Senior-Einsatz zu leisten (der Job ist ehrenamtlich - Sie müssen also mit einem Pausenkaffee und einem Weihnachtskärtlein zufrieden sein) , melden Sie sich doch einfach auf dem Sekretariat der Sekundarschule. Auch nach dem „Jahr der Freiwilligen“ freuen wir uns auf neue Gesichter in der Schule!