2009-11-18: Ausbildung für Streitschlicht-Profis

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Schon seit ein paar Jahren gibt es an der Sek Ossingen Streitschlichter und Streitschlichterinnen. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn es zwischen einzelnen Schülerinnen oder Schülergruppen schwierig wird. Im November absolvierten die jüngsten Streitschlicht-Profis ihren ersten Ausbildungstag.



Im Aufenthaltsraum der Sekundarschule finden sich am Montagvormittag rund 20 Personen ein: Drittklässler und Erstklässler, die sich als Streitschlichter engagieren wollen, und Seklehrerin Eliane Müller, welche das Grüpplein betreut.

Nach der Begrüssung und der Kursübersicht durch Frau Müller übernimmt die Drittklässlerin Angela die Moderation der Streitschlichterausbildung. Schon in der Vorstellungsrunde erzählen alle Jugendlichen über ihre eigenen Streit-Erfahrungen und was sie schon beitragen konnten, einen Streit zu schlichten.

Anschliessend zeigt ein Kurzfilm auf, dass die Gründe von Streitigkeiten oft nicht so klar sind, wie es im ersten Moment scheint. Erst wenn man beide Sichtweisen eines Konflikts kennt, kann man sich ein Bild machen. Streitschlichtende sollen sich möglichst neutral verhalten, und es ist wichtig, miteinander zu reden!

Sabrina, Angela und Frau Müller erklären nun, warum es eigentlich so etwas wie Streitschlichter braucht an einer Schule. Ganz einfach: Schüler kriegen viel eher und vor allem viel früher mit, wenn es in einer Klasse Zoff gibt! Sie können die Augen offen halten und ein Gespräch anregen, bevor es fast ausweglos wird. Vielen Jugendlichen fällt es auch leichter, über solche Themen mit jungen „Profis“ zu reden als mit Lehrpersonen. Deshalb finden die Streitschlicht-Gespräche normalerweise ohne Beisein der Lehrkräfte statt. Meist sind zwei gleichaltrige oder etwas ältere Streitschlichterinnen an einem Gespräch mit den Streitparteien im Einsatz. Über diese Sitzung und die getroffenen Vereinbarungen wird ein Protokoll erstellt. Die Gespräche finden jeweils während der Schulzeit statt.

Schon gibt’s zu tun: Amanda und Deborah geben Anleitung, wie ein Streitschlicht-Gespräch ablaufen muss. Dazu schreibt sich jede Streitschlichterin und jeder Streitschlichter (es sind etwas mehr Mädchen als Jungen anwesend) Kärtchen mit den wichtigsten Punkten. Diese persönliche Kartensammlung wird die zukünftigen Streitschlichter jeweils durch ihre Gespräche begleiten.

Die erfahrenen Streitschlichterinnen setzen sich jetzt je zu einem Grüppchen „Lernender“ und erklären die erste Karte. Inhalt: sich vorstellen, Regeln bekannt geben. Jeder Schüler formuliert in eigenen Worten, wie er ein solches Gespräch eröffnen wird. Was die Regeln für ein Schlichtgespräch sind, wird ebenfalls notiert.

Punkt für Punkt wird nun besprochen und auf den Karten notiert: erzählen lassen – nachfragen (wann, wie, wo) – Lösungen suchen – Abmachungen treffen (konkret, in Protokoll notieren) – Nachtreffen festlegen und Gespräch beenden. Diese Kartensammlung ist die Grundlage für die weiteren Ausbildungssequenzen, wo dann Beispiel-Konflikte in Rollenspielen gelöst werden müssen.

Die Streitschlicht-Ausbildung ist ein schönes Beispiel dafür, wie jüngere Schüler von älteren lernen können. Diese geben ihr erworbenes Wissen und ihre Erfahrung nämlich gern weiter. Fast nebenbei lernen die älteren Schülerinnen, wie man präsentieren und jemand für seine Anliegen gewinnen kann. Und wenn zwei Konfliktparteien dank dem Streitschlichter-Einsatz wieder miteinander klar kommen, ist dies ein wunderschönes Erfolgserlebnis für alle. Gelebte Schulkultur eben!

Erstellen der persönlichen KartensammlungEine Drittklässerlin unterstützt einen Erstklässler beim Erstellen der persönlichen Kartensammlung.














Erstellen der persönlichen KartensammlungDie Kartensammlung von Angela ist bereits praxiserprobt!















Erstellen der persönlichen KartensammlungZwei Schülerinnen erklären weitere Gesprächsschritte.